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GRÜN HÖREN
2017

Zweiteilige Klanginstallation
mit 6 interaktiven Hörbäumen und einem audiovisuellen Klangfernrohr

Sprechstimmen: Angela Winkler, Johannes Wilms

Instrumentalstimmen: Markus Bruggaier (Horn), Matthias Glander (Klarinette) Simone Bodoky - van der Velde (Flöte), Fabian Schäfer (Oboe) - Staatskapelle Berlin
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GRÜN HÖREN spielt mit der akustischen Wahrnehmung von Landschaft, wobei die Installation mit zwei Rezeptions-haltungen arbeitet: passiv - interaktive Hörbäume überraschen Passanten der Tälchenbrücke mit aus dem Grün kommenden Klangfolgen, aktiv - am Ende der Brücke hört man mit einem Klangfernrohr gezielt ins Grüne.

Die Installation thematisiert unseren Umgang mit Fremdartigen in der Natur, den sogenannten Neobiota - eingewanderten Arten. So tauchen aus den sechs Hörbäumen irritierend exotische Vogelstimmen auf, die von Instrumentalisten der Staatskapelle in 12 Vogelduetten umspielt werden. Und im Klangfernrohr sind in einer wagnerianischen Naturstimmung die Migrationsgeschichten einheimischer wie gebietsfremder Tiere zu hören, die visuell in das Realbild eingespiegelt werden. Dabei stellt sich eine ähnliche Frage wie in der gesellschaftlichen Debatte um die Einwanderungsgesellschaft: Wer darf hier leben ?
Dem gegenübergestellt wird eine alte Paradiesphantasie, die im Klangfernrohr an vier utopisch-blauen Flecken im Landschaftsbild erscheint: 'Das goldene Zeitalter' aus den Metamor­phosen von Ovid - gesprochen von Angela Winkler im Stil einer Leseprobe. Ein Text, der in geradezu revolutionären Worten von einer Lebensweise spricht, in der die Menschen in ihrem Verhältnis zu sich und zur Natur im Einklang sind - "zwanglos, ohne Rächer, ohne Gesetz".

Das Klangfernrohr als Neuentwicklung basiert auf einem Viscope-Fernrohr. Man sieht die reale Umgebung, in die Tier- und Baumzeichnungen eingespiegelt sind und deren Migrationsgeschichten zu hören sind. Ein Winkelsensor erfasst die Blickrichtung und je nach dem, in welche Richtung man schaut, hört man ein anderes Musik-Text-Stück, insbesondere zu "invasiven Arten": Woher stammt das Tier oder die Pflanze ? Wann ist es nach Europa eingewandert? Gehen Gefahren von ihm aus und welche Kriterien gibt es hierfür ? Und wer entscheidet, ob eine Tier- oder Pflanzenart hier leben darf ?
Als Kontrapunkt zu den sachlich gehaltenen Migrationsgeschichten tauchen Naturstimmungen aus deutschen Opern der Romantik auf, einer Zeit, in der die Natur nicht nur romantisiert sondern auch nationalistisch vereinnahmt wurde ("Deutscher Wald"). Die Musikstücke von Wagner und Weber kehren sich jedoch im Laufe des gesprochenen Texts um und erklingen rückwärts.

Die sechs Hörbäume stehen im Kreis um die Brücke, so dass ein weiter, akustischer Raum mit sechs Hörrichtungen entsteht. Ausgelöst werden die Klangstücke zufällig durch die Passanten, die auf der Brücke durch eine der drei Lichtschranken gehen. Die 12 Vogelduette der Installation sind Kompositionen aus den originalen Vogelstimmen mit einer Imitation durch ein Instrument (Flöte, Oboe, Klarinette, Horn) von Musikern der Staatskapelle Berlin. Beide Stimmen wurden elektronisch bearbeitet, miteinander verwoben und in eine 6-kanalige, akustische Raumstruktur gebracht. Vor jedem Vogelduett ist zuerst die Originalstimme des Vogels zu hören. Alle Vögel sind nicht-europäische Arten, die hier gar nicht leben bzw. inzwischen nach Europa eingewandert sind.

Vogelstimmen: xeno-canto.org | Programmierung/Sensorik: Georg Klein, Pascal Staudt | Grafik/Klangfernrohr: Steffi Weismann | Klangfernrohr/3D-Entwurf/Bau: Viscope (idee concept), Daniel Vogel-Essex (Ozon), Arne Clemens (interzone) | Instrumentalaufnahmen: Johannes Seibt (Staatsoper Berlin).
Das Klangkunstprojekt ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen, den die Grün Berlin GmbH und die IGA Berlin 2017 GmbH mit dem von Musikern der Staatskapelle Berlin gegründeten Orchester des Wandels initiiert und durchgeführt haben. Gefördert wird die Realisierung mit Unterstützung der Groth Gruppe.

Zur Installation wurden eigens didaktische Begleitprogramme entwickelt, die die Hörbäume über eine iPad--Steuerung als räumliche Wiedergabestation im Park nutzen:
WORKSHOP 1 : NATUR KLINGT GUT (7 - 10 Jahre)
Auditive Wahrnehmung : Tierstimmen Grundlegende Hörerfahrung im Raum, Erkennen von Tierstimmen, Ortung und Identifikation von Tierlauten in einer Klanglandschaft, Naturerfahrung und Bewusstseinsbildung insbesondere zu Migrationsgeschichten von Tieren
WORKSHOP 2 : FRANKY FRAGT DICH (11 - 15 Jahre)
Vermittlung von klassischer Musik mit Naturbezug : Grundlegende Hörerfahrung im Raum, Erkennen von Instrumenten im Orchesterklang, Auseinandersetzung mit Zielen und dramaturgischen Methoden verschiedener Komponisten, Wissensfragen zum weiteren Kontext der Musik hinsichtlich Natur und Umwelt
Workshops: Laura Holke, Kathrin Scheurich. Beratung: Rob Brinkmann (Staatsoper Berlin)
> Videodokumentation: GRÜN HÖREN Workshops

Sonderprojekt der IGA-Kunstausstellung "Sichten einer Landschaft", ZKR Kuratorin: Katja Aßmann

Ab 15.10. 2017
permanente Installation in den
Gärten der Welt
Berlin-Marzahn


Benefizkonzert des Orchester des Wandels / Staatskapelle Berlin unter Leitung von
Daniel Barenboim am
18. Juni 2017.










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