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KlangAuge | 声眼 (Konzept)
2002-06
Interaktive Klang-Video-Installation
und simultane Live-Übertragung zwischen Deutschland und China

2 KlangAuge-Kegel mit integriertem Projektionsscreen und 4-Kanal-Audio
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Mediale Erweiterung des öffentlichen Raums

Mit der Klang-Video-Installation KlangAuge werden zwei Städte über einen Live-Stream medial miteinander verbunden. An zwei öffentlichen Plätzen in den geschäftlichen Zentren von zwei Städten werden die Passanten von jeweils einer Kamera aus der Vogelperspektive aufgenommen. Diese Aufnahmen werden eingesetzt, um eine kommunikative Interaktion zwischen den Passanten der beiden Länder zu ermöglichen.
Der öffentliche Raum - durch die ihn umgebende Geschäftswelt mit Plakaten und Warenhäusern immer mehr vereinnahmt und eingeschränkt - erfährt hier eine reale Erweiterung: das mediale Fenster öffnet den im Alltag nur transitorisch genutzten Raum und schafft einen Kontakt in eine andere Welt.

Visuelle Interaktion

Das Kamerabild wird mit dem über das Internet übertragenen Bild aus der andern Stadt überlagert und auf die kreisrunde, über den Köpfen schwebende Leinwand projiziert. Wie in einem Spiegel sieht man sich selbst wie auch die andere Person von der anderen Seite des Erdballs. Allerdings muss man den Blick nach oben – in den Himmel – richten, so dass in dieser Perspektive überwiegend die Gesichter zu sehen sind. In dieser perspektivischen Verzerrung können die Passanten sich nahe kommen, sich virtuell berühren und sogar visuell durchdringen. Dazu wird eine spezielle Software entwickelt, die die Menschen vor dem Hintergrund isoliert, um beide Bilder – das eigene wie das fremde – in einen gemeinsamen Bildraum zeigen zu können.

Akustische Interaktion

Sobald die Passanten sich in dem von der Kamera erfassten Bereich bewegen, der als einfarbige Bodenfläche markiert ist, lösen sie auch akustische Interaktionen aus. Sie beeinflussen über ihre Position im Raum verschiedene Klänge und Stimmen innerhalb eines Klangfeldes, das aus vier Richtlautsprechern gebildet wird. So erzeugt jeder Passant eine Tonspur, die sich mit den Tonspuren anderer Passanten aus beiden Städten zu einer Klangcollage mixt.
Die Lautsprecher hängen an dem runden Rahmen der Leinwand und können über eine vierkanalige Anlage einzeln angesteuert werden, so dass verschiedene akustische Raumklangbilder entstehen. Über ein Mikrofon wird von Zeit zu Zeit auch ein akustischer Direktkontakt möglich, wenn sich ein Besucher im Fokuspunkt des Klangfeldes befindet.

KlangAuge-Objekt - Mediale Wahrnehmung

Für die Installation wurde ein KlangAuge-Objekt entworfen, das in einem öffentlichen Durchgangsort, wie hier der Fußgängerpassage am Bahnhof Potsdamer Platz in Berlin, aufgehängt werden kann. Das Objekt bildet einen lichtgeschützten Projektionsraum mit einer von unten sichtbaren Projektionsfläche von ca. 6m Durchmesser. Die Projektionsleinwand ist in den KlangAugen-Kegel versenkt, so dass die überstehenden Kanten das Bild gegenüber äußerem Licht abschatten. An dieser Kante innen befinden sich auch die Richtlautsprecher, die auf diese Weise einen differenzierten, akustischen Raum unter dem KlangAuge-Objekt erzeugen. In beiden Städten wird ein ähnliches Objekt an zentralen Orten installiert werden, so dass die Installation dort zu einem Blickfang für die vorbeikommenden Passanten wird, mit Perspektiven darauf aus unterschiedlichen Richtungen und von mehreren Ebenen. Treten die Passanten dann unter das Objekt erweitert sich der öffentliche Raum: Die Besucher blicken in einen fernen Stadtraum. Dabei sehen sie sich selbst wie in einem Spiegel und zugleich die weit entfernten Besucher aus der anderen Stadt. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung in einem Bild.

Geplant als
Ausstellungstournee
2 0 0 8 – 2 0 1 0

simultan in 5 deutsch-chinesischen Städtepaaren

Eine Produktion von
KlangQuadrat | büro für klang- und medienkunst berlin
Georg Klein, Julia Gerlach
Almut Bouchon, Dominik Busch
Dirk Schneider


Im Auftrag des
Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland
mit Unterstützung des
Goethe-Instituts China
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